"The Omega Man" mit Charlton Heston (1971) vs. "I am Legend" mit Will Smith (2007). Beide basieren auf dem selben SF-Roman aus den 50ern. Die Menschheit ist an 'nem Virus verstorben und der vorletzte Überlebende schlägt sich in urbaner Umgebung mit Zombies herum. Und, auch wenn das
nicht überall angekommen zu sein scheint, ist natürlich "Omega Man" der bessere Film.
Dessen Zombiesekte ist (in Grenzen) intelligent, und sucht nicht nur die beissende, sondern auch die argumentative Konfrontation mit Heston. Sie formuliert sogar Ansprüche: nämlich die neue Zivilisation zu sein; im Streifen von 2007 gibt es nur grunzende Wuselmutanten, die obendrein schlecht animiert sind und alle mit dem gleichen aus "Die Maske" geklauten Unterkiefer-Dehn-Algorithmus und der gleichen sandigen Hauttextur versehen wurden, gähn.
Auch die Überlebenden sind bei "Omega Man" besser gezeichnet, sie haben eine Motivation, ein Leben bevor Heston sie aufgabelt; der Junge versucht mit der Sekte zu kommunizieren, was ihn das Leben kostet: großartiger Plot: die Jugend glaubt an Verständigung und geht dafür drauf. Im 2007er-Streifen gibt es nur diese Psycho-Tussi, die unmotiviert auftaucht, irgendeine Scheisse von Gott faselt und dann - Schnitt - im wundersamen Amish-Überlebensdorf landet, so ein Müll.
Auch das Opfer am Ende: Heston versucht, seine Geliebte zu retten, hält sich sterbend noch eine Nacht über Wasser, in geradezu gekreuzigter Pose, um mit letzter Kraft das rettende Serum zu überreichen. Will Smith dagegen macht den Selbstmordattentäter, BUMM! (wenn sich die Idioten im Irak in die Luft sprengen können ist das ja wohl auch für die Abendunterhaltung gut genug!). Darüber rege ich mich am meisten auf, das ist wirklich unzumutbar.
Von Charakter und Stil der Hauptfiguren ganz zu schweigen - Whisky, Schach und Woodstock vs. Rührei-an-die-Wand-werfen und Shrek. Na, vielleicht soll man das als Fortschritt betrachten - realistisches Spiel - wenn einem sein Hundi von Zombis gefressen wird, tickt man halt aus und schmeisst Sachen rum - sehr realistisch, bitte kein falsches Übermenschentum im Kino, wir haben ja nicht mehr die Siebziger - Aber zum Teufel, WER will sowas SEHEN???
Und dann diese analen "Verbesserungen" wie diese: Heston geht schon in der ersten Viertelstunde beinahe drauf, weil er den Sonnenuntergang im Kino vertrödelt - Willi Smith programmiert täglich seine Armbanduhr mit Vor- und Hauptwarnung nach der Sonnenuntergangstabelle, damit er rechtzeitig die Fenster verrammeln und 'ne DVD einlegen kann, JAUL!
Was "I am Legend" bleibt ist das ausgefeiltere Szenenbild - daß die Stadt langsam zuwächst ist natürlich realistischer. Wobei "Omega Man" mit dem kühlen 70er-Charme ästhetisch auch funktioniert, stellenweise sogar deutlich besser. Zum Bleistift Smith's peinlich animierten Ford Mustang - vielleicht macht die 17jährigen sowas an, aber wenn ich einen Kinofilm sehe will ich NICHT dass es absichtlich so aussieht wie auf der Scheissplaystation!
Kurz und knapp: "Omega Man" hat (in den Grenzen eines Endzeit-Zombie-Films) GEIST und STIL - "I am Legend" hat das nicht für 10 Cent, ist dafür aber schnell, shocking und quietschbunt, genau das richtige für die Aufmerksamkeitsspanne der Generation Polyphon-Klingelton.
Wem's nicht auffällt, dem haben halt die 2000er Jahre und ihr serieller Dauerschwachsinn schon gründlich das Gehirn verblitzdingst.